Einsätze

Gebäudebrand
  • 13. Sep
  • 03:29 - 06:58
  • GW-AS
  • 1

Heubisch - Herbert Engelbrecht zögert einen Moment, lässt seinen Blick wandern von der rosafarbenen Fassade hin zum sorgsam geordneten Steingarten vorm Eingang. Der 67-Jährige seufzt. Nein, wer sich seinem Zweifamilienhaus von der Ebersdorfer Straße her nähert, der könnte sogar die beiden rot-weißen Flatterbänder der Polizei übersehen, die vor Tür und Tor spannen und Schaulustige auf Abstand halten. Eine Ahnung von jenem wahr gewordenen menschlichem Albtraum - nachts im Schlaf vom Feuer geweckt zu werden - bekommt man erst, wenn man die Rückseite seines Heims betrachtet: Ein zu Schutt und Asche verglühter Schuppen liegt dort, verkohlte Balken, die aus dem offenen Dach himmelwärts ragen. Von der Hitze geborstene Scheiben, Risse in der Wand. Die Engelbrechts, sie hatten Glück gehabt im Unglück. Trotz allem. Gestern Vormittag wurde der Vater gemeinsam mit seinem Sohn Tobias aus dem Krankenhaus entlassen, ebenso seine beiden acht und neun Jahre alten Enkelsöhne, die in der Brandnacht zu Besuch waren. Außer diesem Quartett mussten auch zunächst die beiden Partnerinnen von Herbert und Tobias Engelbrecht wegen Verdachts auf Rauchgasvergiftung in die Kliniken nach Neustadt und Sonneberg eingeliefert werden. Doch zumindest was den Schaden für Leib und Leben betrifft scheint diese private Tragödie einen glimpflichen Verlauf genommen zu haben. Der Verlust an Hab und Gut aber bleibt immens - von mehreren 10 000 Euro ist auszugehen, teilt die Polizei mit. Doch das ist eben nun mit dem Versicherungsvertreter zu regeln, nicht aber mit einem Bestatter. Wie Freies Wort gestern berichtete, brach der Brand gegen 3.30 Uhr aus. "Beim Eintreffen der Polizisten stand der Anbau bereits in Flammen", schildert Saalfelds Polizeisprecherin Cindy Prochnow. "Die Feuerwehr begann sofort mit den Löscharbeiten. Die Beamten begaben sich ins Hausinnere, um nach Bewohnern zu suchen. Dabei mussten sie sich durch das verqualmte Treppenhaus vorkämpfen." Im Obergeschoss fanden sie die zwei teils noch schlafenden Kinder. "Da unklar war, ob sich noch weitere Menschen im Haus aufhielten, wurde das Gebäude erneut durchsucht. Kurz darauf kam den Polizisten eine weitere Person in der obersten Etage entgegen. Auch diese wurde evakuiert." Drei weitere konnten sich zuvor selbst in Sicherheit bringen, so Prochnow. Die Ursache für das Feuer sei derzeit unbekannt. Geweckt vom Prasseln Zwei Ermittler der Saalfelder Kripo fuhren gestern Vormittag vor, um die Stätte jener Beinahe-Katastrophe in Augenschein zu nehmen. Bestätigen lasse sich einstweilen, dass das Feuer im Erdgeschoss ausbrach, hieß es. Auch bereits in den ersten Meldungen war davon die Rede, der Schwelbrand habe seinen Ausgang genommen in jenem Schuppen, der der Familie zugleich Partyraum ist und in dem, laut Polizei, die Bewohner am Samstagabend noch fröhlich feierten. Herbert Engelbrecht jedenfalls ist ratlos. Der Rentner - übrigens einst Mitglied der Sonneberger Feuerwehr und jahrelang selbst als Brandermittler tätig - begleitete die zwei Experten also durch Ruinen und Trümmerlandschaft in seinem Garten, machte sich auf die Suche nach einer Erklärung für diesen Nackenschlag des Schicksals. Dass die Feuerwehr rasch vor Ort war verdankt die Familie möglicherweise einem glücklichen Zufall. Demnach soll ein Polizist, der nach Schichtschluss auf der Umgehungsstraße nach Hause fuhr, das Flackern gesehen haben. "Das hat uns gerettet." Nebenan war es eine aufmerksame Nachbarin, die Alarm schrillte. Seine Partnerin sei schließlich wach geworden von all dem Prasseln und Knistern ringsum, sagt Herbert Engelbrecht. Im Schlafanzug ging es nach draußen in die Kälte. Er habe zunächst noch versucht mit seinem Sohn die Flammen einzudämmen. "Vergeblich." Am Schluss brauchte es rund 60 Einsatzkräfte um des Feuers Herr zu werden. Als erste löschte Heubischs Wehr, die mit 16 Mann um Einsatzleiter Andreas Prause anrückte. Alle weiteren Wehren aus dem Föritzer Gemeindegebiet folgten nach. Sonnebergs Drehleiter war angefunkt worden wegen der Glutnester im Dachgebälk, aus Neuhaus am Rennweg kamen die Atemschutzgeräte. Seine Hochachtung übermittelte gestern Bürgermeister Roland Rosenbauer den freiwilligen Brandbekämpfern. Und: All die teuren Investitionen in neue Technik, sie habe sich in der Nacht auf Sonntag ausgezahlt und bewährt. Der Familie habe die Gemeinde eine Notunterkunft angeboten, sagt Rosenbauer. Nutzen wolle sie diese Offerte aber nicht. Engelbrechts werden aber bei Verwandten unterkommen müssen, denn das verrußte Haus erklären die Sachverständigen für unbewohnbar. Herbert Engelbrecht, von dessen Wohnung kaum etwas übrig ist, überlegte gestern noch, ob er nicht zu seinem Sohn in die vorderen Räume umzieht. Die ließ das Feuer unbeschadet. Dort ist die Welt noch in Ordnung, zumindest nach außen hin. anb Der gemeinnützige Verein "Freies Wort hilft" hat es sich zur Aufgabe gemacht, unverschuldet in Not geratenen Menschen zu helfen. Der Verein und die Gemeinde Föritz rufen daher auf zu spenden für die Familie Engelbrecht. Das Geld soll den Betroffenen eine unbürokratische Soforthilfe sein. Auf Wunsch können selbstverständlich Spendenquittungen ausgestellt werden. Konto: 170 501 70 17 BLZ: 840 500 00 Vom Schuppen griffen die Flammen aufs Haus über. Das Dach musste die Feuerwehr aufbrechen, um die immer wieder auflodernden Glutnester zu löschen. Foto: Beer

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